Haben Sie schon einmal daran gedacht, Paramente zu stiften?

 

Wir beraten Sie gern, stellen Ihnen Werbekarten und Plakate zur Verfügung

 

 

Fastentuch zum Ausleihen!

Das Fastentuch der Paramentik befandt sich unter anderem schon in Oettingen St. Jakob! In der Kreuzandacht am Karfreitag wurde 2011 eine eigens zum Tuch komponierte Passionsmusik vom dortigen Kantor Dietmar Kreß gespielt.  

Insgesamt 15 Felder stehen für die Stationen des Leidenwegs. Wollen Sie mehr erfahren? Dann klicken Sie hier.

Eine Dokumentation über Kurzandachten zu den einzelnen Stationen, die in der Diakonie Neuendettelsau als "Stille halbe Stunden" gehalten wurden, kann ebenfalls erworben werden.

Gern informieren wir Sie über die Modalitäten.

Predigt zur Einweihung der Paramente St. Katharina Haag

 

Pfarrerin Sabine Hopperdietzel

Predigt zur Einweihung der neuen grünen Paramente in der Kirche St. Katharina Haag am 3.7.2016:

Nun können Sie alle die neuen grünen Paramente sehen.
Es sind moderne Paramente, nicht einfach eine Nachbildung der vorherigen, sondern Paramente mit ganz eigenem Stil.
Ich möchte den heutigen Sonntag nutzen, um mit Ihnen einen kleinen Ausflug in die Welt der Paramentik zu machen.

Was ist ein Parament?
Parament – das war für viele ein bisher fremdes Wort. Das Wort „Parament“ stammt von dem lateinischen Wort „parare“, d.h. „bereiten“. Der Kirchenraum wird vorbereitet, damit darin Gottesdienst gefeiert werden kann und eine Christusbegegnung möglich ist. Es ist so ähnlich wie bei einer Einladung: Der, der einlädt, bereitet sich sorgfältig vor – deckt liebevoll den Tisch, schmückt ihn vielleicht mit Kerzen, Blumen und passenden Servietten. Auf der anderen Seite wird der Eingeladene nicht in Arbeitskleidung kommen, sondern sich dem Anlass entsprechend kleiden. Früher und z.T. auch heute noch sind die Gewänder der katholischen Priester prächtig, da der Priester als weltlicher Vertreter für Jesus Christus angesehen wird. Das hat sich mit der Reformation geändert und Wilhelm Löhe hat sich dafür eingesetzt, dass der Kirchenraum als besonderer Ort geschmückt wird und nicht eine Person.
An den Tüchern am Altar, Kanzel und Lesepult lässt sich erkennen, in welcher Kirchenjahreszeit wir uns befinden. Sie haben es in dem kleinen Anspiel von Frau Kirche vorhin gehört, dass die Farben einen Hinweis geben. Grün ist die Farbe der Trinitatiszeit – also ab dem 1. Sonntag nach Trinitatis, den ganzen Sommer über bis zum Buß- und Bettag, an dem die lila Tücher aufgelegt werden.

Hätte man nicht das alte Parament wieder nachnähen lassen können?
Das war eine Frage, über die der Kirchenvorstand auch nachgedacht hat. Können wir nicht einfach das alte Lamm ausschneiden und auf einen neuen Stoff aufnähen?
Wir sind nach Neuendettelsau in die Paramentik gefahren, um uns beraten zu lassen. Die Paramentik ist eine Werkstatt für Paramente, Altardecken, Tauftücher usw. Sie fertigen neue Tücher an, reparieren und reinigen alte. Eine Angestellte der Werkstatt hat sich für uns viel Zeit genommen. Ich hatte ihr im Vorfeld Fotos unserer Kirche zugesandt, damit sie einen Eindruck hat, wie unser Raum hier überhaupt aussieht.
Eine ihrer ersten Fragen war: „Ist euer Altar eigentlich irgendwie beschädigt oder hässlich, da er immer komplett verhüllt ist? Alle Paramente bedecken den kompletten Altar – das ist sehr ungewöhnlich…“ „Nein“, haben wir geantwortet, „wir haben sogar einen schönen Holzaltar.“ Aber niemand konnte exakt sagen, wie unser Altar genau aussieht. Irgendwelche Kassetten, das war klar, aber sonst?
Als wir wieder in Haag angekommen sind, da gab es gleich einen Gang in die Kirche, um der Sache auf den Grund zu gehen. Und wir haben einen sehr schönen Holzaltar entdeckt, der bisher das ganze Jahr nicht zu sehen ist…
Trotzdem: Soll ein neues Parament dem alten ähneln?
Es kann dem Vorgänger ähneln, muss aber nicht. Wenn eine Kirche renoviert wird, dann wird meistens versucht, den ursprünglichen Zustand zu erhalten und wiederherzustellen. Kirchen sehen deswegen über die Jahrhunderte hinweg mehr oder gleich aus. Die einzige Möglichkeit etwas zu verändern, an dem erkennbar wird, dass wir in einer anderen Zeit leben als um die Jahrhundertwende oder zu dem Zeitpunkt als die Kirche gebaut wurde, sind die Paramente. Darum hat der Kirchenvorstand nach reiflicher Überlegung und Beratung beschlossen, ein modernes Parament zu wählen, das widerspiegelt, dass wir auch heute in einer anderen Zeit leben als damals.

Und was ist auf den neuen Paramenten zu sehen?
Diese grünen Tücher sind von einer Künstlerin namens Beate Baberske entworfen und angefertigt worden. Frau Baberske wurde 1973 in Görlitz geboren und hat Textilkunst studiert. Sie ist Diplomdesignerin und arbeitet seit Jahren mit der Paramentenwerkstatt in Neuendettelsau zusammen. Typisch für ihre Arbeiten ist die sog. Flachweberei mit eingewebten Quadraten aus verschiedensten Materialien. Jedes Parament von ihr ist ein Unikat. Es wird individuell für jede einzelne Kirche angefertigt.
Frau Baberske hat für uns drei Skizzen entworfen. Ein Entwurf ist sofort aus dem Rennen gefallen, bei den beiden anderen war die Entscheidung schon schwieriger, aber letztendlich hat sich der Kirchenvorstand mit großer Zustimmung für diese Flachweberei aus grünem Leinengarn entschieden.
Diese 3 oder eigentlich 4 Tücher, die Sie hier vorne sehen, kosten zusammen rund 4.000 €. Das ist eine ganze Menge! Aber das, was besondere Handarbeit kostet. Die Tücher nur zu weben dauert 14 Tage, also ca. 80 Arbeitsstunden. Vorher müssen die Fäden zugeschnitten, sortiert, auf Schäfte gezogen und durch Litzen gefädelt werden – eine sehr zeitaufwendige Tätigkeit. Allein die schmalen Altarbänder bestehen aus 314 Fäden! Noch einmal vorher wurden wir beraten und die Designerin hat speziell für unsere Kirche Entwürfe angefertigt. So kommen die Kosten zustande… Fast 900 € sind bereits als Spendengelder zusammengekommen. Herzlichen Dank dafür – wir wissen jede Gabe sehr zu schätzen! Die restlichen Kosten werden über den laufenden Haushalt finanziert.
Ich habe mir gedacht, dass ich Frau Baberske, die inzwischen in Berlin lebt, einmal anrufe und sie frage, ob sie uns Genaueres zu unseren Paramenten erklären kann.
Sie hat nicht nur davon erzählt, wie die Paramente gewebt wurden, sondern auch über ihre Gedanken beim Entwurf der Skizzen und der Herstellung gesprochen.
Das Grün erinnert an ein Feld, das am Keimen ist. Helles Grün für zarte, frische Triebe, dunkleres Grün für bereits heranwachsende Halme. Das passt gut in diese Zeit, in der wir oft nur staunend beobachten können, mit welcher Kraft die Natur wächst und sich entfaltet… Dazwischen blinken golden die Ähren oder auch der Schatz im Acker hindurch. Je nach Lichteinfall sind andere Plättchen zu sehen. Es gibt also immer wieder etwas Neues zu entdecken, was vorher so nicht zu sehen war.
Ich finde das nicht nur ein schönes Bild für die sommerliche Zeit Trinitatis, sondern auch für uns als Kirchengemeinde. Was hier als einheitliches Grün zu sehen ist, ist eigentlich ein Gemisch aus mehreren Grüntönen. So wie wir Menschen in einer Kirchengemeinde auch verschieden sind. Diese Verschiedenheit macht unsere Lebendigkeit aus. Wir als Kirchengemeinde bewahren einen wertvollen Schatz – das Evangelium von Jesus Christus. Diesen Schatz gilt es immer wieder zu entdecken und die Perspektive darauf kann ruhig unterschiedlich sein. Und wir Christinnen und Christen sind auch dazu berufen, Früchte zu tragen, so wie ein Acker dazu bepflanzt wird, um etwas ernten zu können. Auf den meisten Ackerböden, wenn sie nicht tatsächlich eine vergrabene Schatztruhe beherbergen, ist der Schatz der goldene Weizen, den sie hervorbringen. Wie wertvoll sind die Früchte, die wir auf unseren Feldern und in den Gärten ernten dürfen!
Wie wertvoll sind aber auch die Früchte, die aus dem Glauben wachsen! Wenn Menschen füreinander da sind, weil sie das Gebot Jesu: Du sollst Gott lieben und deinen Nächsten wie dich selbst – ernst nehmen und in ihrem Leben versuchen umzusetzen. Oft geschehen Taten der Nächstenliebe im Verborgenen und sind gar nicht auf die Schnelle zu entdecken. Viele Besuche, Einkäufe, Fahrten zum Arzt und andere kleine Hilfeleistungen geschehen bei uns auf dem Land unbemerkt. Tröstende oder ermutigende Worte werden gesprochen, manchmal auch einfach eine Hand gedrückt. Überall da, wo jemand über den eigenen Schatten springt und für jemanden oder eine Sache im Namen Gottes da ist, da ist ein kostbarer Schatz verborgen.
Ich habe Frau Baberske noch gefragt, ob ich der Gemeinde etwas von ihr ausrichten darf?
Sie hat gelacht und gemeint: „Was man sagen kann ist, dass alle Interpretationen erlaubt sind.“ Es ist eine Chance darüber ins Gespräch zu kommen, was jeder und jede in ihren Webereien entdeckt. Und sie hofft, dass sie mit ihren Paramenten auch einen Impuls setzt, der weiterbringt, und dass ihre Paramente somit auch „predigen“. Und natürlich wünscht sie, dass die Gemeinde Haag ihre Paramente annimmt, damit sie dort Frucht tragen.
Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, er bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.