Blick durch die Eingangstür auf das Fastentuch
das Fastentuch tritt in den Dialog mit dem Auferstehungsbild der gleichnamigen Kirche in Fürth © Entwurf Beate Baberske Foto Uwe Niklas


Ein Kreuzweg vor der Auferstehungs-Szene


Im Sommer 2018 nahm die Gemeinde das erste Mal Kontakt mit uns auf. 

Nach einem Treffen von Pfarrer und Künstlerin in der Kirche wurde Beate Baberske zu einer Kirchenvorstandssitzung eingeladen, um ihre Arbeit vorzustellen und im Gespräch die Vorstellungen der Gemeinde herauszufiltern.

Aufgabenformulierung vom Pfarrer: Den Kreuzweg mit seinen Stationen in abstrakt-moderner Form vor dem Altarbild abbilden und damit eine der Passionszeit entsprechende Thematik in den Raum bringen. Die Frage, die sich die Künstlerin stellt: 


"Sollte vielleicht das Tuch in das Altarbild mit Auferstehungs-Szene eingreifen?" 


In der Sitzung wurde genau diese Frage sehr kontrovers diskutiert, es gab -sehr zur Verwunderung des Pfarrers- eine klare Absage an konkrete Motive vor dem Altarbild. Die Runde war sich einig, dass ein Abdecken des Bildes mit seiner sehr wichtigen Botschaft der falsche Weg ist. Aber wie setzt man einen Akzent, ohne die Botschaft der Auferstehung zu verlieren? Ein Termin in der Kirche mit allen Beteiligten wurde vereinbart. 

Vor Ort sollten -vor allem auch die technischen- Möglichkeiten ausprobiert werden. Rosalia Penzko und Beate Baberske machten sich mit einer Kiste voller violetter Stoffe auf den Weg nach Fürth. Andreas Thumer, der Messner der Kirche, holte alle Leitern, die es gab.

Messner und Paramentikerin bei der Probe am Altar
Klaus Thumer und Rosalia Penzko im Einsatz bei der Generalprobe vor Ort © Foto Beate Baberske

Die Künstlerin interessierte vor allem, wie durch Verhüllen Dinge sichtbar werden. Das Phänomen kennt jeder: Kaum steht ein hoher Bretterzaun um die Baustelle herum, schon muss man eine Ritze suchen, durch die man hindurch sehen kann. Diesen Effekt muss man doch hier nutzen können! Vielleicht unsichtbar Abdecken, indem transparentes Schwarz über das Bild gelegt wird? Das Tuch wird beinahe unsichtbar, ein Effekt, den sich Restauratoren zu Nutze machen: sie legen transparente Gaze über die beschädigten Stoffe und fixieren lose hängende Stoffe an dem Gitter. Schon nach einem Meter Entfernung ist die Gaze unsichtbar. (Der Siegeszug der schwarzen Feinstrumpfhose wäre ein weiteres Beispiel, das erklärt, warum Teile des Bildes trotzdem oder erst recht sichtbar sind....) 

Die besondere Situation im Raum ist aber, dass bestimmte Stellen des Bildes auch abgedeckt werden können. Die Soldaten auf dem Altarbild sollen unbedingt sichtbar bleiben. Der Fuß des Auferstandenen, der auf der Weltkugel steht, ebenfalls. Alles Andere darf temporär verschwinden.

Einen einfarbigen Stoff addieren ist an dieser zentralen Stelle des Kirchenraumes zu wenig. Eine kleine, durch marmorierte Farbe strukturierte Postkarte, die der Künstlerin schon beim ersten Besuch der Kirche in die Hand gefallen ist, fasziniert durch ihren ganz eigenen Bezug auf den Kirchenraum immer wieder. Die violett marmorierte Fläche besteht aus Linien, freien Formen, Kreisen und erzeugt in ihrer Struktur und Farbigkeit Assoziation von Kampf, Lanzen von Soldaten, einer dichten Dornenhecke, Schnittwunden, Wegen und Zerstörung. Das sind alles Themen der Passions-
zeit, die einen neuen Akzent setzen, ohne konkrete, neue Motive hinzuzufügen. Die freie, konkret-abstrakte Gestaltung, die der Fastenzeit und der traditionellen Aufgabe von Fastentüchern, Wissen zu vermitteln, Rechnung trägt und trotzdem Vorhandenes sichtbar macht.

Diese Struktur auf schwarzem, transparenten Chiffon wäre die Lösung für diesen Ort. Jetzt addieren sich die Strukturen zu den Motiven des Bildes. Hinter den liegenden Soldaten im Vordergrund stehen Lanzen. Der Fuß scheint aus einem Dornengebüsch hervorzutreten. Ein erster Probedruck ist schon im Koffer dabei.

Und im Raum funktioniert die Theorie. Der Auferstandene verschwindet hinter einer Dornenhecke.


Detail von Stoff und Altarbild zusammen
Vom Altarbild sieht man die Soldaten und einen Fuß des Auferstandenen © Entwurf Beate Baberske Foto Uwe Niklas

Zur mittigen, halbtransparenten Fläche kommen links und rechts violette Streifen, die einen Bezug zum violetten Altarparament -auch aus Neuendettelsau, nach Entwürfen von Rudolf Koch aus den 1930/40ger Jahren- herstellen. Das Violett des Stoffes wird vor Ort ausgesucht. Durch die Dreiteilung verweist die Zahl der göttlichen Vollendung einmal mehr auf unsere Unvollkommenheit und damit indirekt auf das Thema der Fastenzeit. 

In der Werkstatt kommen Zweifel: Ist das wirklich der richtige Stoff? Fast grau und gar nicht violett sieht er im Tageslicht aus. Aber vor Ort dann Erleichterung: Das Fastentuch verbindet das Parament mit der neuen Gestaltung. Der Auferstandene scheint durch. Es funktioniert. Wir sind stolz.

Überzeugen Sie sich selbst! Jedes Jahr in der Fastenzeit! 

Beate Baberske


Weitere Eindrücke in der Bildergalerie

Fotos vom Fastentuch im Raum: Uwe Niklas

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